Programm

Worum geht es?

9. Strategiekongress

Ignorieren, streiten oder

  • 2.–3. Dezember 2026
  • Kardinal Schulte Haus, Bergisch Gladbach
  • Außenperspektiven · Austausch · Orientierung
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Für wen?

Von wem?

Tag 1: Fragmentierung und Polarisierung in der Gesellschaft

Der erste Kongresstag nimmt Fragmentierung und Polarisierung in der Gesellschaft aus empirisch-wissenschaftlicher, soziologischer und psychologischer Perspektive in den Blick. Die Impulse dienen dabei nicht nur der Information, sondern sind bewusst mit Phasen der Reflexion in kleineren Formationen und mit Dialogen im Plenum verbunden. So werden wissenschaftliche Erkenntnisse mit eigenen Wahrnehmungen, Erfahrungen und Fragen der Teilnehmenden in Beziehung gesetzt. Im Anschluss richtet sich der Blick auf Praxisbeispiele. In Workshops zeigen unterschiedliche Akteur:innen, wie Polarisierung bearbeitet werden kann.

Empirisch-wissenschaftliche Perspektive:

Polarisierung in Deutschland: Erkenntnisse aus dem Wissenschaftsbarometer 2025

Das Wissenschaftsbarometer 2025 widmet sich dem Thema Polarisierung und auch der Frage, welche Rolle Wissenschaft in einer als polarisiert wahrgenommenen Gesellschaft spielen kann. Die Ergebnisse werden von einer Vertreterin von Wissenschaft im Dialog vorgestellt und mit Blick auf aktuelle gesellschaftliche Dynamiken diskutiert. Wissenschaft im Dialog ist eine gemeinsame Initiative u. a. der Deutsche Forschungsgemeinschaft, der Fraunhofer-Gesellschaft, der Hochschulrektorenkonferenz und der Max-Planck-Gesellschaft.

  • Wissenschaft im Dialog

Soziologische Perspektive:

Kommunikative Polarisierung

Der Soziologe Prof. Dr. Nils C. Kumkar verwendet den Begriff „kommunikative Polarisierung“, um ein spezifisches Phänomen moderner Öffentlichkeit zu beschreiben. Kommunikative Polarisierung beschreibt nicht, dass Menschen immer extremer denken, sondern dass sie immer stärker in gegensätzlichen Kommunikationsräumen leben. Es geht also weniger um radikale Inhalte, sondern um radikal getrennte Gesprächswelten: Menschen kommunizieren in unterschiedlichen Medien, auf unterschiedlichen Plattformen, mit unterschiedlichen Gesprächspartnern und in unterschiedlichen Deutungsrahmen.

So entstehen getrennte Öffentlichkeiten, die kaum noch miteinander sprechen. Kommunikation dient so nicht nur dem Austausch von Argumenten, sondern auch der Markierung von Identität.

  • Prof. Dr. Nils C. Kumkar, Universität Bamberg

Psychologische Perspektive:

Affektive Polarisierung

Affektive Polarisierung beschreibt ein sozialpsychologisches Phänomen: Gruppen grenzen sich zunehmend emotional voneinander ab, unabhängig davon, wie groß die inhaltlichen Unterschiede tatsächlich sind. Nicht die Sachfragen polarisieren am stärksten, sondern die Gefühle gegenüber den „anderen“: Misstrauen, Abneigung und moralische Abwertung auf der einen Seite – stärkere Loyalität und Aufwertung der eigenen Gruppe auf der anderen. So entsteht ein „Wir gegen die“-Gefühl, das Beziehungen belastet und Verständigung erschwert, selbst wenn inhaltliche Annäherung möglich wäre.

Ein:e Wissenschaftler:in aus dem Forschungsverbund zum Thema „Bewältigung affektiver Polarisierung“ wird zentrale Mechanismen dieser Dynamik vorstellen und den Blick darauf richten, was helfen kann, affektive Eskalationsspiralen zu unterbrechen.

Praxisperspektive

Bearbeitung von Polarisierung – Beispiele aus der Praxis

Nach den wissenschaftlichen Perspektiven richtet sich der Blick auf konkrete Ansätze aus Zivilgesellschaft, Politik und Kirche. In Workshops stellen unterschiedliche Akteur:innen ihre Erfahrungen im Umgang mit Polarisierung vor: Wie wird Dialog ermöglicht? Wo braucht es bewusste Abgrenzung? Welche Formate helfen, Spannungen auszuhalten, ohne sie weiter zu verschärfen?

Die Workshops eröffnen Raum, um Praxisansätze kennenzulernen, zu reflektieren und in Beziehung zu den zuvor vorgestellten analytischen Perspektiven zu setzen. Alle Kongressteilnehmenden haben die Gelegenheit, zwei Worrkshops zu besuchen.

Workshops u. a. mit:

  • Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V., Berlin: Vorstellung der Arbeit des Vereins – gegen-vergessen.de
  • Körber-Stiftung, Hamburg: „Polarisierung begegnen: Diskutieren. Streiten. Demokratie gestalten“ – koerber-stiftung.de
  • Politik auf 13qm, Stuttgart: Vorstellung des Projekts – politikauf13qm.drs.de
  • Forum für Interkulturellen Dialog e. V.: People of Frankfurt – fidev.org
  • Erzbistum Köln: Synodalität im Erzbistum Köln

Der erste Kongresstag klingt mit einer gemeinsamen Abendgestaltung aus. Ein offenes Abendlob bietet Raum für Innehalten und Sammlung nach einem reichhaltigen Tag. Im Anschluss lädt ein Get-together dazu ein, Gespräche fortzusetzen, Eindrücke zu teilen und miteinander ins Gespräch zu kommen

Trenner

Tag 2: Zwischen Dialog und Abgrenzung – Polarisierung in der Kirche

Der zweite Kongresstag richtet den Blick auf Polarisierung in der Kirche. Im Zentrum stehen Erfahrungen, Spannungen und Konfliktlinien, die entstehen, wenn Auffassungen differieren und Grenzen gezogen werden. Ausgehend von persönlichen Beobachtungen und Erfahrungen fragt der Tag danach, wie innerkirchliche Polarisierung entsteht, wie sie erlebt wird und unter welchen Bedingungen Dialog, Streit oder Abgrenzung konstruktiv gestaltet werden können.

Video-Statements zum Start

Im Auge des Sturms

Profilierte Akteur:innen aus polarisierten Kontexten schildern ihre Beobachtungen und Erlebnisse. Wo sehen, erfahren, erleben sie Polarisierung und Exklusion in der Kirche? Wie fühlt es sich an, „im Auge des Sturms“ zu sein?

Auch die Teilnehmenden sind eingeladen, eigene Erfahrungen und Beobachtungen zu Polarisierung und Ausgrenzung in Kirche einzubringen.

Verständigung trotz Unvereinbarkeit

Auf dem Weg zu einer Meta-Hermeneutik

Im weiteren Verlauf des Vormittags folgt ein moderierter Dialog zwischen Personen, die in innerkirchlichen Debatten als klar positioniert wahrgenommen werden. Je zwei Protagonist:innen aus evangelischer und katholischer Kirche kommen miteinander ins Gespräch

Dabei geht es ausdrücklich nicht um eine inhaltliche Diskussion der unterschiedlichen Positionen, sondern um die Frage, wie Kommunikation und Verständigung in stark polarisierten Situationen gelingen können. Die Frage ist, wie eine Meta-Hermeneutik aussehen müsste, welche Diskursregeln gelten müssen etc., um nicht in wechselseitige Exklusion zu verfallen.

Wirklichkeitskonstruktionen verhandeln

Systemtherapeutische Impulse

Im Anschluss an die Erfahrungsberichte und den Diskurs richtet Mechthild Reinhard den Blick auf Polarisierung in der Kirche aus systemtherapeutischer Perspektive. Im Zentrum steht die Frage, wie unterschiedliche Wirklichkeitskonstruktionen entstehen, sich verfestigen und in konflikthaften Situationen gegeneinander stehen und was das für Kommunikation, Beziehung und Verständigung bedeutet.

Dabei geht es um Möglichkeiten der Bearbeitung: Wie lassen sich Unterschiede verhandeln, ohne sie zu nivellieren? Wo kann Verständigung gelingen – und wo stoßen dialogische Ansätze an Grenzen?

  • sysTelios Klinik

Erfahrungen deuten

Theologische Kontextualisierung

Die Erfahrungen, Beobachtungen und Dynamiken werden theologisch eingeordnet: Prof. Dr. Daniel Bogner, Professor für Moraltheologie und Ethik an der Universität Fribourg, und Prof. Dr. Thorsten Dietz vom „Fokus Theologie“, der Fachstelle für theologische Erwachsenenbildung der Deutschschweizer Reformierten Kirchen, fragen danach, wie sich Polarisierung theologisch verstehen und bearbeiten lässt. Im Zentrum steht die Spannung zwischen Erfahrung und Deutung.

  • Prof. Dr. Daniel Bogner, Universität Freiburg i. Üe.
  • Prof. Dr. Thorsten Dietz

Was daraus folgt

Transfer in den eigenen Kontext

Zum Abschluss des Kongresses werden die Einsichten der beiden Tage in einem Transferteil gebündelt: Was nehmen wir für den eigenen Kontext mit – als Orientierung, als offene Fragen, als nächste Schritte? Ziel ist es, die unterschiedlichen Perspektiven so zusammenzuführen, dass daraus Handlungsoptionen für den Umgang mit Polarisierung in kirchlichen Prozessen und Debatten sichtbar werden.

Der Strategiekongress endet gegen 17 Uhr.

Reservierung

9. Strategiekongress: 2. und 3. Dezember 2026 im Kardinal-Schulte-Haus, Bensberg; Kongressbeitrag: 490,- €

Sichern Sie sich unverbindlich einen Platz: Sie erhalten als Erste:r Bescheid, sobald die offizielle Anmeldung geöffnet ist und Sie haben dann 14 Tage Zeit, Ihren Platz in Anspruch zu nehmen.

Statements

Die Kongressreihe Strategie und Entwicklung in Kirche und Gesellschaft existiert seit 2008. Träger des Strategiekongresses ist der Verein futur2 e.V., der die gleichnamige Online-Zeitschrift herausgibt.

Veranstalter des Kongresses sind kairos, Coaching, Consulting, Training Mainz, die Thomas-Morus-Akademie Bensberg und die Evangelische Arbeitsstelle für missionarische Kirchenentwicklung und diakonische Profilbildung (midi) und die XIQIT GmbH.

Für Kongressplanung, Veranstaltungsdesign und Durchführung zeichnet sich das Board verantwortlich – ihm gehören aktuell an: Henriette Crüwell, Dr. Valentin Dessoy, Birgit Dierks, Dr. Tobias Kläden, Prof. Dr. Martin Lätzel, Ursula Hahmann, Frank Reintgen und Judith Uebing.

Kontakt: info@strategiekongress.org

Foto: Kardinal Schulte Haus