Tag 1: Fragmentierung und Polarisierung in der Gesellschaft

Der Strategiekongress startet am 2. Dezember um 9:30 Uhr.

Der erste Kongresstag nimmt Fragmentierung und Polarisierung in der Gesellschaft aus empirisch-wissenschaftlicher, soziologischer und psychologischer Perspektive in den Blick. Die Impulse dienen dabei nicht nur der Information, sondern sind bewusst mit Phasen der Reflexion in kleineren Formationen und mit Dialogen im Plenum verbunden. So werden wissenschaftliche Erkenntnisse mit eigenen Wahrnehmungen, Erfahrungen und Fragen der Teilnehmenden in Beziehung gesetzt. Im Anschluss richtet sich der Blick auf Praxisbeispiele. In Workshops zeigen unterschiedliche Akteur:innen, wie Polarisierung bearbeitet werden kann.

Empirisch-wissenschaftliche Perspektive:

Polarisierung in Deutschland: Erkenntnisse aus dem Wissenschaftsbarometer 2025

Das Wissenschaftsbarometer 2025 widmet sich dem Thema Polarisierung und auch der Frage, welche Rolle Wissenschaft in einer als polarisiert wahrgenommenen Gesellschaft spielen kann. Die Ergebnisse werden von einer Vertreterin von Wissenschaft im Dialog vorgestellt und mit Blick auf aktuelle gesellschaftliche Dynamiken diskutiert. Wissenschaft im Dialog ist eine gemeinsame Initiative u. a. der Deutsche Forschungsgemeinschaft, der Fraunhofer-Gesellschaft, der Hochschulrektorenkonferenz und der Max-Planck-Gesellschaft.

Soziologische Perspektive:

Kommunikative Polarisierung

Der Soziologe Prof. Dr. Nils C. Kumkar verwendet den Begriff „kommunikative Polarisierung“, um ein spezifisches Phänomen moderner Öffentlichkeit zu beschreiben. Kommunikative Polarisierung beschreibt nicht, dass Menschen immer extremer denken, sondern dass sie immer stärker in gegensätzlichen Kommunikationsräumen leben. Es geht also weniger um radikale Inhalte, sondern um radikal getrennte Gesprächswelten: Menschen kommunizieren in unterschiedlichen Medien, auf unterschiedlichen Plattformen, mit unterschiedlichen Gesprächspartnern und in unterschiedlichen Deutungsrahmen.

So entstehen getrennte Öffentlichkeiten, die kaum noch miteinander sprechen. Kommunikation dient so nicht nur dem Austausch von Argumenten, sondern auch der Markierung von Identität.

Psychologische Perspektive:

Affektive Polarisierung

Affektive Polarisierung beschreibt ein sozialpsychologisches Phänomen: Gruppen grenzen sich zunehmend emotional voneinander ab, unabhängig davon, wie groß die inhaltlichen Unterschiede tatsächlich sind. Nicht die Sachfragen polarisieren am stärksten, sondern die Gefühle gegenüber den „anderen“: Misstrauen, Abneigung und moralische Abwertung auf der einen Seite – stärkere Loyalität und Aufwertung der eigenen Gruppe auf der anderen. So entsteht ein „Wir gegen die“-Gefühl, das Beziehungen belastet und Verständigung erschwert, selbst wenn inhaltliche Annäherung möglich wäre.

Praxisperspektive

Bearbeitung von Polarisierung – Beispiele aus der Praxis

Nach den wissenschaftlichen Perspektiven richtet sich der Blick auf konkrete Ansätze aus Zivilgesellschaft, Politik und Kirche. In Workshops stellen unterschiedliche Akteur:innen ihre Erfahrungen im Umgang mit Polarisierung vor: Wie wird Dialog ermöglicht? Wo braucht es bewusste Abgrenzung? Welche Formate helfen, Spannungen auszuhalten, ohne sie weiter zu verschärfen?

Die Workshops eröffnen Raum, um Praxisansätze kennenzulernen, zu reflektieren und in Beziehung zu den zuvor vorgestellten analytischen Perspektiven zu setzen. Alle Kongressteilnehmenden haben die Gelegenheit, zwei Worrkshops zu besuchen.

Workshops u. a. mit:

  • Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V., Berlin: Vorstellung der Arbeit des Vereins – gegen-vergessen.de
  • Körber-Stiftung, Hamburg: „Polarisierung begegnen: Diskutieren. Streiten. Demokratie gestalten“ – koerber-stiftung.de
  • Politik auf 13qm, Stuttgart: Vorstellung des Projekts – politikauf13qm.drs.de
  • Forum für Interkulturellen Dialog e. V.: People of Frankfurt – fidev.org
  • Erzbistum Köln: Synodalität im Erzbistum Köln

Der erste Kongresstag klingt mit einer gemeinsamen Abendgestaltung aus. Ein offenes Abendlob bietet Raum für Innehalten und Sammlung nach einem reichhaltigen Tag. Im Anschluss lädt ein Get-together dazu ein, Gespräche fortzusetzen, Eindrücke zu teilen und miteinander ins Gespräch zu kommen