Dr. Johannes zu Eltz

Statement

Macht wurde die längste Zeit mit aller Macht verleugnet in der Kirche. Am liebsten so, dass man sie „Vollmacht“ nannte. Und so tat, als falle die vom Himmel und richte auf Erden nichts Schlimmes an. Das hat einen doppelten Schaden verursacht. Erstens verschwindet verleugnete Macht nicht, im Gegenteil: sie wird umso größer, je weniger sie zu greifen ist. Zweitens wird „Vollmacht“, die ein Geschenk Gottes an die Kirche ist, bei den Gläubigen diskreditiert, wenn sie zur Tarnung von Menschenmacht missbraucht wird.

Machtmissbrauch wird heute offen beklagt. Das ist ein erster, großer Schritt in die richtige Richtung. Am Ziel sind wir aber erst, wenn den Gläubigen gebührlich Vollmacht zugesprochen wird. Die beinhaltet das Recht der Gläubigen, die Ausübung der Macht durch Amtsträger effektiv zu kontrollieren. Um die Gläubigen in diese Position zu bringen, müssen die ordinierten Machthaber Vertrauen von oben in das System speisen. Wie das geht, können sie von Gott lernen.

Vita

Stadtdekan Dr. Johannes zu Eltz wurde 1957 in Eltville geboren und wuchs im Rheingau auf. Nach Abschluss seines Jurastudiums entschloss er sich, Philosophie und Theologie in Frankfurt und Rom zu studieren. 1991 wurde er im Limburger Dom zum Priester geweiht. 1995 Pfarrer im Westerwald, war er von 1999 bis 2010 Leiter des kirchlichen Gerichts in Limburg und von 2006 bis 2010 Stadtdekan von Wiesbaden. Seit August 2010 ist er Stadtdekan von Frankfurt und bischöflicher Kommissar, Pfarrer in der Dompfarrei St. Bartholomäus mit ihren Kirchorten und Vorsitzender des Caritasrates.

Foto: Rolf Oeser