Jutta Loke

Statement

Der Kunde ist König – oder: von der Macht des Publikums

„Es wird nicht damit getan ein, die neuen Kommunikationstechnologien als schöne Attrappen in das eigene Angebot zu stellen. Der Anspruch ist, in einen echten Dialog zu treten. Es geht nicht um kontrollierte Autorität. Es geht um geteilte Autorität“, schreibt Journalist Stefan Niggemeier in einem Beitrag zur Digitalisierung.

Mich wundert: der Text ist von 2006. Damals konnte Niggemeier die Formate von Casting Shows ja noch gar nicht kennen. Was passiert da? Derjenige, der laut (mehr oder weniger fachkundiger) Jury (mehr oder weniger) objektiv am besten singt, wird noch lange nicht Deutschlands Superstar. Und ob Germanys Next Topmodel jetzt unbedingt die Schönste ist, bleibt etwas fraglich. „Das Publikum“ hat scheinbar andere Kriterien. Und auch die Kunst verändert sich, seit Instagram und Snapchat eine Verbreitung von Künstlerischem in Sekundenschnelle über den ganzen Erdkreis ermöglicht.

Kein Bereich bleibt von der Veränderung ausgeschlossen. Für die Kirche ist die Frage nach „geteilter Autorität“ nicht erst seit Maria 2.0 eine Frage. Wie soll man das jetzt finden? Die einen sehen den Untergang des Abendlandes heraufziehen, die anderen den Beginn der echten Demokratie kommen. Wie auch immer: die Verantwortlichen für den Strategiekongress wollen die „Macht des Publikums“ ernst nehmen. Sie als Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden Einfluss nehmen können. Wie wird das den Kongress verändern?

Wäre es nicht besser, man überlässt den Fachleuten das Feld? Also den Spezialisten, den Vortragenden, denen mit den Methodenkenntnissen? Die Frage lässt sich ja nur begrenzt beantworten, weil man ja nicht weiß, wie es wäre, wenn…

Wie sich die Teilnehmenden einbringen werden, ist trotzdem spannend. Und vermutlich machtvoll.

Vita

Jutta Loke, Jahrgang 1967, freiberufliche Beraterin, Trainerin, Coach, Moderatorin.

Basis für die Beratungstätigkeit sind langjährige praktische Erfahrungen in Führungsarbeit und Konzeptentwicklung. So leitete sie 5 Jahre das Erzbischöfliche Jugendamt in Paderborn, baute dann die Personalentwicklung im Erzbistum auf und leitete sie. Als stellvertretende Geschäftsführerin der GemeindeVerbände im Kooperationsraum Mitte war sie am Aufbau des Fachbereiches Verwaltungsleitungen und der Entwicklung der neuen Berufsrolle dieser Gruppe maßgeblich beteiligt. Nach verschiedenen Fortbildungen im Bereich von Organisationsberatung, Medienarbeit, Projektarbeit und Konzeptentwicklung brachte sie dieses Wissen in berufliche wie freiberuflichen Zusammenhängen ein. Moderationen von unterschiedlichen Veranstaltungsformaten so wie eine langjährige Mitarbeit bei der katholischen Fernseharbeit ergänzen das Profil.